Der hessische Finanzminister Karlheinz Weimar stellte vergangenen Donnerstag gemeinsam mit der Oberbürgermeisterin Petra Roth und dem Planungsdezernenten Edwin Schwarz die Planungen für das neue Bockenheim vor. Anlass für den Immo-Skandal, Ferdinand Kramer zur Pressekonferenz in den Römer einzuladen.
Der charismatische alte Herr, der in den 50ziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts die Bau-Geschicke des Bockenheimer Unviersitäts-Campus lenkte und ein enger Freund von Max Horkheimer und Theordor W. Adorno war, stand für einen gradlinigen, funktionalen Baustil. Kein Wunder, dass er ein wenig den Kopf schüttelt, als er mit energischen Schritten die Stufen zum prunkvollen Magistratssaal im Römer erklimmt. Viel Ornament und Pomp eben, mag er da denken. Und wahrscheinlich erinnert er sich an seine Aktion, als es vor 60 Jahren ebenfalls um die Planungen für den neuen Universität-Campus Bockenheim ging. Als Baudirektor der Johann Wolfgang Goethe-Universität hatte er nur mit den Fingern geschnippt und per Paukenschlag entschieden: Weg mit dem alten Zopf! Der Haupteingang des Unigebäudes, ein neobarockes Portal mitsamt Säulen und allegorischen Figuren, wurde abschlagen und auf eine Breite von sieben Metern erweitert. Die Universität und die Bildungseinrichtungen gehören allen Bürgern, so die Devise, und das sollte man auch sehen.
Doch sind wir angekommen und nehmen Platz. Vielleicht hätten wir Ferdinand Kramer vorab warnen sollen, er wird „seine“ Universität und das alte Bockenheim nicht mehr wiedererkennen. Schließlich ist der Umzug der Universität längst beschlossene Sache. Ein großer Teil befindet sich schon im neuen Frankfurter Stadtteil Riedberg, einem städtischen Hätschelkind. Wird jetzt der ehemalige Uni-Campus frei für neue und vielleicht sogar für kreative Nutzungen? Man darf gespannt sein.
Doch, Ruhe, die Veranstaltung beginnt und der Finanzminister Weimar hat das Wort. „Ich schlage vor, die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst auf dem frei werdenden Universitätsgelände unterzubringen“, verkündet er mit staatstragender Stimme, in die sich ein leicht hessischer Akzent mischt. Er ergänzt: Zusätzlich sollen weitere wichtige kulturelle Einrichtungen dort untergebracht werden wie die Deutsche Ensemble Akademie, das Ensemble Modern und die Junge deutsche Philharmonie, die Motion Bank sowie Probe-Bühnen, das „Frankfurt Lab“ und ein mit modernster Technik ausgerüsteter Kammermusiksaal. Das hört der ebenfalls anwesende, wache Leiter der Musikhochschule, Thomas Rietschel, gern und strahlt.
Die Oberbürgermeisterin Petra Roth begrüßt die Entscheidung, die dem Minister und dem „lieben Parteifreund Karlheinz“ dafür lobend auf die Schulter klopft. Ferdinand Kramer denkt nach, oft diskutierte er mit seinem Freund Theodor W. Adorno über Musik, die beiden sehr wichtig war. Und auch bei ihm findet der Vorschlag, Kultur und Kunst mitten in den Bockenheim-Stadtteil an zentraler Stelle zu verpflanzen, Zustimmung.

Bockenheim wird musikalisch – (von links nach rechts) Oberbürgermeisterin Petra Roth, Planungsdezernent Edwin Schwarz und Finanzminister Karlheinz Weimar Foto: Immo-Skandal
Wir hören weiter den Ausführungen des Ministers zu: „Ein beträchtlicher Teil des künftigen Bockenheimer Areals soll als Wohnquartier genutzt werden. Derzeit verhandelt das Areal mit einem Konsortium von OFB und ABG über den Verkauf des unbebauten Bereichs nördlich des Bockenheimer Depots. Hier sollen Wohnungen im Umfang von 23500 qm sowie Gewerbe und Einzelhandel in einem Umfang von 4500 qm entstehen.“
Ja, und was passiert denn dann mit den Kramer-Bauten? Fragen wir uns und die
anwesende Presse. Diese Frage kommt dem Minister nicht sehr gelegen. „Na, ja meine persönliche Meinung dazu…“, so die vieldeutige und präzise Minister-Antwort. Wir entschuldigen uns an dieser Stelle bei Ferdinand Kramer. „Macht nichts, sagt Kramer, „an seiner Meinung sind wir ja nicht wirklich interessiert.“ Immerhin werden mindestens vier Kramer-Bauten erhalten, so erfahren wir, unter ihnen das Amerika- und das Botanische Institut. Sozusagen als Bau-Dokumente einer Ära, die mehr Demokratie wagen wollte. Der Immo-Skandal plant demnächst einen kleinen Rundgang mit dem früheren Baudirektor ein.
Und wie geht’s es jetzt weiter mit Bockenheim, der Schönen? Der Umbau ist ja wohl noch nicht ganz in trockenen Tüchern und wir hoffen, dass die Politik den Stadtteil nicht im Regen stehen lässt. Wenn alle Bewertungen und Genehmigungen abgeschlossen sind,
folge ein städtebaulicher Wettbewerb. Die Vision: „Eine lebendige Mischung aus Wohnen, Studieren und kultureller Vielfalt“. Mit Visionen ist das ja immer so eine Sache.
Oft werden sie ja von einer unbequemen Realität eingeholt. Und wer trotz städtischer Versprechungen mal im Regen steht, kann ja zu „Rainbelle“ greifen, Ferdinand Kramers berühmten Papier-Regenschirm.
Weiterführende Links
Ergebnisse der Pressekonferenz
Informationen zu Kramer’s Tätigkeit an der Universität Frankfurt und ein Interview mit Lore Kramer.